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Knödelhistorie

ALTE KNÖDELWÜRGER UM 1300 
Die Geschichte des Knödels hat große Lücken. Erste Erwähnung fanden sich in Pergamentschriften, die um das Jahr 1.000 entstanden sind. Aus dem 11. Jhd. existieren erste Darstellungen eines Knödelmessers, in herrschaftlichen Häusern lange Zeit das einzige Besteck. Das gemeine Volk musste mit den Händen essen. Die Knödelmesser – auch Knödelwürger genannt – hatten vorne an der Klinge eine Spitze, mit der man Bratenstücke und Knödel in den Mund befördern konnte. Aus 1280 stammt die erste bildliche Darstellung von Knödeln. In der Burgkapelle von Hocheppan in Südtirol ist ein Fresco mit einer Klosterfrau zu sehen, die Knödel speist.

TRADITION KNÖDELWETTESSEN 
Gern und viele Knödel gegessen haben die Bayern natürlich schon immer. Und auch gezählt, wer am meisten verdrückt: 

1825 veranstaltete ein Münchner Wirt ein Leberknödel-Wettessen bei ausgesetzten Preisen. Im Ganzen wurden über 2.800 Stück verzehrt; der Sieger "Eduard Stemplinger" bewältigte innerhalb einer Stunde 38 Knödel, aß so alle eineinhalb Minuten einen. Der Wirt wurde wegen groben Unfugs verklagt, aber vor Gericht freigesprochen. 
(aus dem immerwährenden Bayerischen Kalender) 

1906 fand im Zacherlgarten, im Münchner Stadtteil Au, ein Knödelwettessen statt. Unter den Augen von vier vereidigten Schiedsrichtern traten die Männer mit den größten Mägen an. Gewonnen hat angeblich der Fuhrmann Karl Heilmannseder – mit 62 ½ Knödeln! Ein Taschnergeselle namens Maximilian Loibl soll damals mit 57 Knödeln Dritter geworden sein.

Wenn dieser Taschnergeselle keine Legende ist, dann muss er auf seinem Gebiet ein Top-Sportler geworden sein: Angeblich hat der Loibl Max durch eisernes Training seinen Leibesumfang in den Folgejahren auf fast zwei Meter gesteigert. 
Ein Siegertyp: 1908 soll der mythische Loibl Max schon 71 Knödel verdrückt, ein Wettessen 1914 dann sogar mit 73 Knödeln gewonnen haben, sagt das Königlich-bayerische Sportbrevier. Von gefräßigen Frauen ist übrigens nie die Rede. Die achten offenbar schon immer auf ihre Linie.
Quelle: www.br-online.de

KNÖDEL ALS BAYERISCHES KULTURGUT 
Bällchen, Flutte, Knöpflin, Klössel, Kleesse, Klopse, Kniddel... 
allein im deutschen Sprachgebrauch gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen für die Mahlzeit, die man in Bayern allgemein als Knödel kennt. Der Begriff "Knödel" entwickelte sich über das alhochdeutsche Chnodo (Knoten, Kneten). Knödel finden sich in den Esskulturen der verschiedensten Epochen und Völkergruppen wieder und ebenso vielfältig sind auch die Zubereitungsarten. Es fällt nicht schwer sich auszumalen, dass der Knödel in Zeiten entstanden ist, in denen die Menschen zum Essen kein Essbesteck, sondern allein ihre Hände verwendeten. Die Tischmanieren entwickelten sich weiter, den Knödel blieb bestehen und gilt seit jeher als Delikatesse für eine breite Schicht der Bevölkerung. Bayernkönig Ludwig II. hatte z.B. eine Vorliebe für Hechtknödel und machte diese im 19. Jhd. auf den festlichen Menükarten zu Hofe salonfähig. Für die Bayern zählt der Knödel auch heute noch zu den Lieblingsgerichten. Er ist Sinnbild für Kulinar, Lebensweise und Brauchtum.

KARL VALENTINS SEMMELKNÖDELN 
Karlstadt: ...Semmelknödel sind Semmelknödel. 
Valentin: ...deln. 
Karlstadt: ...Was deln? 
Valentin: ...Semmelnknödeln heißt´s. 
Karlstadt: ...Ich hab ja Semmelknödel gesagt. 
Valentin: ...Nein, Semmelnknödel. 
Karlstadt: ...Nein, man sagt schon von jeher Semmelknödel. 
Valentin: ...Ja zu einem - aber zu mehreren sagt man Semmelnknödeln. Semmel ist die Einzahl und Semmeln ist die Mehrzahl, das sind also mehrere Semmeln, du kannst nie aus einer Semmel einen Semmelnknödel machen. 
Karlstadt: ...Machen kann man´s schon. 
Valentin: ...Jaja, machen schon, aber wenn du aus einer Semmel zehn Semmelnknödeln machen tätst, dann würden die so klein sein wie Mottenkugeln. Dann würde das Wort Semmelknödel schon stimmen. Weil´s bloß aus einer Semmel sind. Aber solang die Semmelnknödeln aus mehreren Semmeln gemacht werden, sagt man unerbitterlich Semmelnknödeln.
Karlstadt: ...Richtig muss es eigentlich Semmelnknödeln heißen, die Semmel muss man betonen, weil die Knödel aus Semmeln sind. 
Valentin: ...Nein, das Wichtigste ist das n zwischen Semmeln und Knödeln. 
Karlstadt: ...Ja wie heißt es dann bei den Kartoffelknödeln? 
Valentin: ...Dasselbe n, Kartoffel n knödeln. 
Karlstadt: ...Und bei den Schinkenknödeln ah - haha - 
Valentin: ...Da ist´s genauso - da ist das n schon zwischen drin, es gibt keine Knödeln ohne n. 
Karlstadt: ...Doch, die Leberknödel.
Valentin: ...Ja stimmt - Lebernknödel kann man nicht sagen! 
Aus: Alles von Karl Valentin, München, Piper Verlag, 1978

1967 war er der weltweit berühmteste Münchner
DER PASINGER KNÖDELSCHÜTZ 

Helmut Winter, besser bekannt als der Knödelschütz von Pasing. Er trotzte der Luftwaffe und den Amerikanern – in einem Luftkrieg der ganz besonders humorigen Art. Den Werbegrafiker störten die Starfighter aus Fürstenfeldbruck, die auf dem Flug über sein Atelier immer wieder die Schallmauer durchbrachen. Er ließ eine Wurfschleuder bauen, um mit echten bayerischen Kartoffelknödeln auf die lästigen Flieger zu schießen. Nachdem die Nachrichten in 72 Ländern der Welt darüber berichteten, geschah das Unfassbare. Innerhalb kürzester Zeit erhielt der Fliegerhorst den Befehl, Pasing nicht mehr zu überfliegen.

2009 übergab Helmut Winter die legendäre Knödelschleuder feierlich an Knödelei-Wirt Florian Oberndorfer, der diese im Wirtshaus in der Au in Ehren hält.